Herbstferien im Jagdhof Carlshaus: Familie und Freunde in einem ganzen Hof für uns allein – mitten in der Harzer Natur

Ein persönlicher Erlebnisbericht über sonnige Oktobertage, Wanderungen mit Kindern und Hunden, Steinpilze, gemeinsames Kochen, einen Grillabend mit Blick auf den Ottofelsen und Hirsche, die wir gehört und schließlich auch gesehen haben.

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Die drei Häuser des Jagdhof Carlshaus aus der Vogelperspektive, mitten im Harzer Wald.

Es gibt Menschen, die möchten in ihrem Urlaub möglichst viele Sehenswürdigkeiten abhaken und Selfies machen. Und es gibt Menschen, die möchten in den Ferien am liebsten einfach Zeit mit Familie und Freunden genießen, möglichst viel draußen sein ohne digitale Geräte und trotzdem (oder gerade deshalb) voller Motivation und guter Laune gemeinsam kochen, wandern und abends am Lagerfeuer ganz still werden, wenn man den Sternenhimmel über sich hat und den Geräuschen der Natur lauscht. Ich gehöre eindeutig zur zweiten Kategorie. Und unser Aufenthalt im Jagdhof Carlshaus während der Herbstferien war genauso und deshalb so schön, dass ich unbedingt davon erzählen möchte.

Mein Mann, unsere drei Kinder und ich hatten uns schon lange vorgenommen, einmal mit unseren lieben Freunden, ihren Kindern und ihrem superlieben Vizsla-Hund gemeinsam Ferien zu machen. Sie sind ebenso große Naturliebhaber wie wir, aber wir leben in verschiedenen Bundesländern und so ist es schwer, Zeit füreinander zu finden. Dieses Jahr überschnitten sich die Herbstferien unserer Kinder, und diese Chance haben wir ergriffen.

Die Frage nach dem Wo hat sich nicht wirklich gestellt. Was für ein Glück, dass es den Jagdhof Carlshaus gibt! In den drei Häusern finden wir elf Personen bequem Platz. Dazu gibt es alles, was wir uns für entspannte Ferien mit einer größeren Gruppe wünschen: Kamin und Außengrill, einen Platz für Lagerfeuer, sogar zwei toll ausgestattete Küchen, ein gemütliches Esszimmer und natürlich Natur, wohin das Auge reicht.

Wir freuten uns auf sonnige Tage im Wald, Wanderungen zu verwunschenen Naturorten, gemeinsames Schlemmen am großen Küchen-Tisch, Grillabende im Garten mit Blick auf den Ottofelsen und vor allem auf unbeschwerte Quality Time mit den Kindern. Was wir damals noch nicht ahnten: Diese Ferien würden uns ein ganz ungeplantes und besonderes Naturerlebnis schenken – eines, das vor allem die Kinder wohl ihr Leben lang nicht vergessen werden. Ein Tipp: Es hat mit Digital Detox und Hirschen zu tun!

Ankommen im kleinen Bullerbü

Als wir schließlich am Carlshaus ankamen, war die Freude groß: Mitten im Wald, umgeben von buntem Herbstlaub mit einer spektakulären Aussicht auf den Brocken, lag unser Zuhause für die nächsten Tage. Der Jagdhof Carlshaus ist für uns nicht einfach eine Ferienunterkunft, in der man seine Koffer abstellt und die Nächte verbringt. Er ist ein kleines Bullerbü ganz für sich allein – mit all seinen Möglichkeiten, Erlebnissen und Geschichten.

Erst einmal wurden also die Autos ausgeräumt und eine unfassliche Menge an Wanderschuhe, Jacken, Taschen, Koffern und Essensvorräten in die Häuser getragen. Unsere Teeny Mädels müssen sich schließlich auch im Wald mindestens dreimal am Tag umziehen, und große Jungs haben immer Hunger.

Wie wunderbar, dass der Jagdhof aus drei Häusern besteht! In Carlshaus, Hexenhaus und Puppenhaus ließ sich das Gepäckchaos gut entzerren, und jeder fand seinen Platz. Die drei Mädchen konnten sich ein Bad teilen und nach Herzenslust schnattern, während die großen Jungs ihre Kojen bezogen. Die Eltern waren gleich nebenan und konnten bei Bedarf ein Auge darauf haben, dass die Jungs nicht allzu viel Unsinn ausheckten. Die ganz Kleinen durften mal ganz ungestört mit ihrer Mami und ihrem Papi im Hexenhaus übernachten.

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Das historische Schild „Försterei Karlshaus“ mit dem Wappen der Fürsten zu Stolberg-Wernigerode.

So sehr ich es liebe, mit Familie und Freunden Zeit zu verbringen – ich finde es wichtig, dass jeder zwischendurch seinen eigenen Raum hat. Dass man sich zurückziehen kann, ohne etwas zu verpassen, und wieder zusammenkommt, sobald einem danach ist. Genau diese Mischung macht den Jagdhof für uns so besonders: viel gemeinsame Zeit, ohne dass man sich ständig auf der Pelle sitzt.

Ein zusätzlicher Bonus: Gipsy, der Vizsla unserer Freunde, hatte sein Körbchen im Hexenhaus, während mein Mann im Carlshaus schlief. So waren die beiden beim Schlafen räumlich getrennt, und mein Mann musste sich wegen seiner (zum Glück nicht allzu schweren) Hundeallergie keine Sorgen machen.

Sobald die Autos leergeräumt und die Zimmer bezogen waren, stellte sich dieses schöne Urlaubsgefühl ein: Endlich angekommen, endlich Zeit füreinander. Unseren ersten Tag verbrachten wir also mit gemeinsam Kochen, zusammen die nächsten Tage planen und natürlich erst einmal miteinander bei einer kleinen Klettertour die Felsen direkt am Haus zu erkunden. Später saßen wir alle im Garten und schauten ins Feuer.

Und doch musste nicht jeder immer überall dabei sein. Der Tag war lang genug für alles: Jeder konnte seine Grüppchen bilden – oder alleine entspannen. Die Kinder spielten Cluedo, zwei Teenies machten Yoga, jemand vertiefte sich in ein Buch, die Erwachsenen saßen zusammen auf den Steinen und quatschten. So verteilten sich die Stunden ganz von selbst. Niemand musste für Unterhaltung sorgen, niemand ein Programm abarbeiten.

Das finde ich so herrlich am Jagdhof: Die Zeit bekommt einen anderen Rhythmus. Man muss nicht ständig auf die Uhr schauen oder überlegen, wie sich alle Interessen unter einen Hut bringen lassen. Gerade wenn zwei Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters zusammen verreisen, ist das viel wert. Die großartige Natur draußen und die gemütliche Atmosphäre drinnen sind irgendwie immer genug.

Woran das genau liegt kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht liegt es an der idyllischen Lage am Ottofelsen oder an der langen Geschichte, die man überall auf dem Jagdhof spürt. Hier ist nicht alles darauf ausgelegt, ausschließlich praktisch, makellos und leicht zu reinigen zu sein. Die Zimmer haben ihre Winkel, die alten Holzdielen knarren, und die schönen Jagdstiche an den Wänden haben schon die Urahnen erfreut. Es gibt Lieblingsplätze am Kachelofen und Ausblicke, die einen immer wieder nach draußen ziehen. Der Hof hat seine eigenen Geräusche und Gerüche, seine kleinen Eigenheiten – und all das schafft eine besondere Atmosphäre.

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Der Kachelofen im Carlshaus mit seinen blau-weißen Delfter Kacheln – einer der Lieblingsplätze im Haus.

Lagerfeuer, Sternenhimmel und ein unerwartetes Konzert

Am Abend unseres Ankunftstages saßen wir schließlich alle im Garten am Lagerfeuer. Es wurde langsam dunkel, aus der Küche brachte immer noch jemand Würstchen, Stockbrotteig und kühles Bier nach draußen. Am Himmel waren der Große Wagen und unzählige weitere Sterne zu sehen, deren Sternbilder wir uns frei ausdenken konnten - Schließlich war kein Google und keine App zur Hand, die uns besserwisserisch den Spaß verderben konnte. Der erste Tag war noch nicht einmal richtig vorbei, und doch fühlte es sich schon an, als könnte man immer hier leben.

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Lagerfeuer am Abend zwischen den Häusern des Jagdhofs – der gedeckte Tisch wartet schon.

Irgendwann wurden die ersten Kinder müde. Und wie herrlich: Man musste sie gar nicht erst ins Bett schicken. Glücklich erschöpft verschwanden sie ganz von allein in ihren Zimmern. Ob sie gründlich Zähne geputzt hatten? Wir beschlossen, darauf zu vertrauen, während wir Erwachsenen noch zusammensaßen – überraschend lange und zunehmend lustig. Kommt es nur mir so vor, dass früher die Nächte immer länger wurden als geplant und heute nur noch manchmal? An diesem Abend kam es jedenfalls so und so manches Sternbild hatte sich schon längst unter den Horizont verabschiedet als wir einander glücklich und erschöpft von der guten Luft und dem guten Wein Gute Nacht sagten.

Und was ein Luxus war es dabei, sich nicht auf dem Futon in irgendeiner Studentenbude wiederzufinden, sondern sich in ein herrlich bequemes Bett fallen zu lassen! Die alten Dielen knarrten noch ein wenig, irgendwo wurde eine Tür geschlossen, man hörte noch jemanden den Wasserhahn aufdrehen – und dann nur noch den leisen Wind in den Bäumen. Wir schliefen wunderbar.

Einfach losziehen: Der Wald liegt vor der Tür

Am nächsten Morgen hatte der Kater keine Chance – schon der erste Blick aus dem Fenster zog uns aus den Betten. Durch die hellen Blätter der Birke blinkte die Sonne und die Kinder hatten sich schon über die Brötchen hergemacht, die – man glaubt es kaum – die Jungs frisch aufgebacken hatten. Als wir runter kamen war die Jugend also schon in den Wanderschuhen und voller Tatendrang. Der Wald war da draußen und es galt ihn zu erobern!

Also zogen auch wir schnell unsere Jacken an, nahmen die Hundeleine mit und gingen los. Die Nachzügler hatten kein Problem, uns zu finden, denn wir machten nicht viel Strecke. Die Wanderpfade beginnen direkt vor dem Zaun, und wie gut, dass sich die Runden rund um den Jagdhof Carlshaus beliebig weit ausdehnen lassen! Unsere Tour hätte uns bis zum Brocken, zu den Wasserfällen und Badestellen der Steinernen Renne, nach Wernigerode oder zur nächsten Haltestelle der Harzer Schmalspurbahn führen können. Doch diesmal wollten wir nirgendwo Bestimmtes ankommen, sondern Zeit haben für jedes noch so kleine Wunder am Wegesrand.

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Gipsy, der Vizsla, auf einem Felsen mit Blick ins Tal – mit von der Partie bei jeder Wanderung.

Für uns ist es etwas Schönes, wenn Kinder die Natur nicht nur als Kulisse für ein paar Ferientage erleben. Sie sollen sich frei bewegen, neugierig sein und nach und nach eine eigene Vertrautheit mit ihrer Umgebung entwickeln dürfen. Sie sollen wissen, wie sich der weiche Waldboden in den Händen anfühlt, dass sich unter dem Laub eine ganze Welt versteckt, wie es riecht, wenn draußen die Luft abkühlt, und wie still man werden kann, wenn irgendwo ein Tier zu hören ist.

Schön ist es, wenn man spontan entscheiden kann, wie weit man gehen möchte. Vielleicht reicht es ja schon, die Felsen direkt im Garten hinaufzuklettern und zu erkunden. Wenn die Kinder etwas entdecken, bleibt man stehen. Wenn der Hund eine interessante Spur findet, geht es eben ein wenig langsamer weiter. Und wenn die Sonne durch die Bäume fällt, spricht nichts dagegen, kurz innezuhalten und die Lichtspiele zu bewundern, die sich mit ihrem Lauf immer wieder verändern. Und genauso war es: Angeführt vom Kleinsten unserer Gruppe folgten wir den Pfaden ohne festen Plan und mit dem einzigen Ziel, die Schönheit der Landschaft zu erleben, die sich mit jedem Schritt ein wenig veränderte.

Bis uns unverhofft ein ganz besonderer Schatz des Harzes begegnete: der König der Pilze, der Steinpilz!

Auf der Suche nach dem König der Pilze

Sein farbenfrohes Gefolge hatten wir schon vorher entdeckt. Immer wieder hatten wir die Kamera gezückt, um einen besonders hübschen, leuchtend roten Fliegenpilz im Herbstlaub oder auf grünem Moos zu fotografieren. Man könnte sie glatt für die Herolde des Pilzkönigs halten, die mit ihren auffälligen Farben seine Ankunft verkünden. So kennen wir jedenfalls die Harzer Hexen Sagen: wo Fliegenpilze wachsen, sind oft auch Steinpilze zu finden!

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harz hand haelt mehrere frisch gesammelte steinpilze

Plötzlich bekam unsere Wanderung eine ganz neue Dynamik. Das Jagdfieber war ausgebrochen. Ausgerechnet einer der zuvor etwas unmotivierteren Jungs fand in einer dichten Tannendickung den ersten herrlichen Steinpilz. Damit war klar: Aus war es mit dem gemütlichen Streifen durch den Wald. Stattdessen stürzten sich alle mit Feuereifer in den Wettstreit darum, wer den nächsten Pilz entdecken würde.

Wir hielten Ausschau, beugten uns hinunter, schauten zwischen Moos und Laub und entdeckten neben immer mehr Steinpilzen auch eine Blindschleiche, eine abgeworfene Hirschstange und einen Feuersalamander.

Natürlich gehört beim Pilzesammeln auch Vorsicht dazu. Nicht alles, was appetitlich aussieht, ist essbar. Unser Freund ist zum Glück ein echter Pilzkenner und hat bereits mehrere Pilzseminare besucht. Unsere Funde ließen wir deshalb nur dann im Korb landen, wenn er sie sicher als essbare Steinpilze erkannt hatte. Irgendwann waren alle Jackentaschen und Kapuzen voll – wir hatten ja nicht geahnt, dass wir einen Korb gebrauchen könnten – und wir mussten die restlichen Steinpilze stehen lassen und zurück zum Jagdhof.

Die Wanderung hatte sich ganz anders entwickelt als gedacht. Wir hatten weder den Brocken erklommen noch ein bestimmtes Ausflugsziel erreicht. Stattdessen hatten wir den Wald mit allen Sinnen erlebt, gemeinsam etwas entdeckt und uns unser Abendessen selbst gesucht. Wir wussten schon, was aus den Pilzen werden sollte: Am Abend würden unsere Steinpilze in der Spaghettisauce landen.

Zum Glück sind die beiden Küchen im Jagdhof – eine im Carlshaus und eine im Hexenhaus - bestens ausgestattet. Mit dem passenden Küchenwerkzeug machte es sogar den Jungs Spaß, ihre vegetarische „Beute“ fleißig zu schnippeln und zuzubereiten. Die Kleinen kamen zwischendurch zum Abschmecken vorbei, und irgendwer wurde dazu verdonnert, den großen Tisch zu decken. Als schließlich der riesige Topf mit dampfenden Spaghetti und Steinpilz-Sahnesauce auf dem Tisch stand, war jeder stolz auf seinen Beitrag zu diesem köstlichen und ganz besonderen Festmahl.

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Spaghetti mit selbst gesammelten Steinpilzen – das Ergebnis eines ganzen Wandertags.

Zur Steinernen Renne: Zwischen Granitfelsen und Wasserfällen

Auch am folgenden Tag zog es uns wieder nach draußen. Es war schließlich Oktober im Harz, die Sonne meinte es gut mit uns, und rund um den Jagdhof gab es noch mehr als genug zu entdecken.

Überhaupt ist es schön, wenn man sich im Urlaub nicht jeden Tag irgendwas ausdenken muss. Man kann einfach wieder losziehen, einen anderen Pfad einschlagen oder Zeit im Garten verbringen. Und irgendwann kommt der Hunger, und schon entsteht der nächste gemeinsame Plan. Mittagessen wollte an diesem Tag niemand kochen, also wanderten wir zum Gasthaus Steinerne Renne.

Der Weg dorthin dauert nur eine gute dreiviertel Stunde und ist eine meiner persönlichen Lieblingsrouten rund um den Jagdhof. Man läuft auf einem kleinen Pfad, und zwischen den Bäumen tauchen immer wieder gewaltige Felsen auf, die aussehen, als hätte jemand sie vor langer Zeit mitten im Wald sorgfältig aufeinandergestapelt und dann vergessen.

Berühmt ist zum Beispiel der „Gebohrte Stein“. Was aussieht, als hätte ein Riese bei einer Partie Jenga einen besonders komplexen Turm stehen lassen, ist das Ergebnis eines über sehr lange Zeit wirkenden Zusammenspiels von Verwitterung und Erosion. Der Granit wird dabei entlang natürlicher Klüfte und Risse angegriffen. Mit der Zeit werden die Gesteinsblöcke abgerundet, während andere Bereiche stärker verwittern und abgetragen werden. So entstehen die bizarren Formen, die diese Felsen aussehen lassen, als hätte jemand sie absichtlich aufeinandergestapelt.

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Bemooste Granitfelsen und ein kleiner Wasserfall auf dem Weg zur Steinernen Renne.

An anderen Stellen öffnet sich der Wald, und man hat einen atemberaubenden Weitblick über Wernigerode und das Harzer Vorland. Der Jagdhof liegt auf über 600 Metern Höhe, und von hier oben reicht der Blick bis zum Wernigeröder Schloss und weit über die Landschaft hinaus.

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Weitblick über Wernigerode mit dem Schloss auf dem Hügel, gesehen vom Jagdhof aus.

Je weiter man in Richtung Steinerne Renne kommt, desto mehr verändert sich der Charakter des Weges. Das Rauschen der Holtemme ist zu hören, mal ganz nah, mal ein Stück unterhalb des Pfades. Das Wasser sucht sich seinen Weg zwischen den Granitfelsen, schießt über kleine Kaskaden und sammelt sich in tiefen Felsbecken.

Diese natürlichen Wasserbecken sehen so verlockend aus, dass man durchaus auf die Idee kommen könnte, im Oktober einmal hineinzuspringen. Gipsy, der Vizsla unserer Freunde, musste jedenfalls nicht lange überlegen. Für ihn war das Wasser offenbar noch wunderbar einladend. Die Kinder zogen Schuhe und Socken aus und stapften barfuß durchs Wasser – allerdings nicht lange, denn es war doch ziemlich eisig.

Das Gasthaus Steinerne Renne liegt auf der anderen Seite des Flusses. Die Brücke war jedoch nach einem Hochwasser beschädigt worden und nicht passierbar. Für uns bedeutete das glücklicherweise nicht das Ende des Weges, sondern einfach noch mehr Abenteuer und Spaß. Also suchten wir uns zwischen den Felsen einen Weg hinüber, kletterten, balancierten und halfen einander über die steinigen Passagen. Am Ende hatten es alle geschafft. Keine große Klettertour, aber aufregend genug um einen perfekten kleinen Hunger zu fördern.

Das historische Gasthaus zur Steinernen Renne gehört seit Langem zur Wandertradition der Gegend. Seine Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück; aus einer kleinen Einkehr entwickelte sich über die Jahre ein beliebtes Ausflugsziel. Die Terrasse des spektakulär schönen Fachwerkbaus liegt direkt über den Wasserfällen der Holtemme und bietet einen wirklich atemberaubenden Ausblick. Für die Kinder waren natürlich die deftigen Buletten mit Kartoffelsalat noch viel interessanter als der Blick. Aber auch wir Erwachsenen genossen die Pause und die regionalen Schmankerln.

Der Rückweg war mindestens genauso schön wie der Hinweg. Wir ließen uns Zeit und entdeckten immer wieder neue Pfade. Es ist eben von Vorteil, in einem gut erschlossenen Wandergebiet zu wohnen: Man muss nicht ständig denselben Weg nehmen und findet doch immer wieder problemlos zurück zum Jagdhof.

Ein Konzert aus dem Wald

Die letzten Stunden des Tages wollten wir im Garten verbringen und grillen. Wir bereiteten alles vor, trugen Grillkohle, Würstchen und Maiskolben nach draußen und machten es uns mit Blick auf den Ottofelsen auf den Gartenmöbeln gemütlich.

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Grillabend zwischen den Felsen des Jagdhofs im warmen Abendlicht.

Die Landschaft lag im warmen Abendlicht, und wieder war es so, wie man es sich kaum schöner hätte vorstellen können. Das Essen schmeckte herrlich, niemand quengelte, und wir genossen das Schauspiel, wie die Sonne langsam blutrot hinter dem Brocken verschwand. Da saßen wir also gemütlich im Garten, als aus dem Wald plötzlich ein erster tiefer, rauer Ruf zu hören war: das Röhren eines Hirsches.

Zunächst waren es einzelne Rufe aus der Dunkelheit. Tiefe, kraftvolle Laute, die weit durch die Landschaft trugen. Dann hörten wir weitere Hirsche, und mit jedem Ruf wurde uns bewusster, wie lebendig der Wald um uns herum ist. Im Herbst ist bei den Rothirschen Brunftzeit. Die männlichen Tiere machen mit ihrem Röhren auf sich aufmerksam, konkurrieren miteinander und versuchen, Rivalen auf Abstand zu halten.

Von unserem Garten aus hatten wir den Eindruck, ein Hirsch antwortete dem anderen, und dann stimmte ein weiterer aus einer anderen Richtung ein. Eines der Tiere war so laut, dass wir das Gefühl hatten, es müsse direkt unterhalb des Jagdhofs stehen – keine 150 Meter entfernt. Wir konnten den Hirsch natürlich nicht sehen. Aber seine Stimme trug so kräftig durch die Nacht, dass er fast neben uns zu stehen schien.

Alle lauschten wir in den Wald. Wir versuchten herauszufinden, aus welcher Richtung die Rufe kamen und wie viele Hirsche sich wohl gegenseitig antworteten. Es war faszinierend, sich vorzustellen, wie die mächtigen Tiere irgendwo zwischen den Bäumen standen und miteinander um die Aufmerksamkeit der Hirschkühe und um ihre Position in der Rangordnung konkurrierten.

Es war ein magischer Moment, der sich mehr als eine Stunde hinzog. Die Dunkelheit hatte sich inzwischen über die Berge gelegt, und am klaren Himmel funkelten die Sterne umso eindrucksvoller, begleitet von den majestätischen Rufen der Hirsche. Wir blieben noch eine ganze Weile draußen. Was für ein Luxus: Man muss kein Entertainment organisieren und keine besondere Veranstaltung besuchen. Man sitzt einfach vor dem eigenen Haus, und die Natur liefert den Soundtrack des Abends.

Rothirsche können zwar auch tagsüber unterwegs sein, halten sich in stark frequentierten Waldgebieten aber häufig in ruhigeren Bereichen auf und sind deshalb nicht immer leicht zu beobachten. Wer ihnen begegnen möchte, braucht vor allem Geduld, einen ruhigen Beobachtungsplatz und ein bisschen Glück Aber nachdem wir ihr Rufen so eindrucksvoll gehört hatten, war für einige der Kids klar: Wir wollen unbedingt auch Hirsche sehen!

Fünf Uhr morgens: Auf der Suche nach den Hirschen

Also klingelten die Wecker ( die der Teenager wenig überraschenderweise nicht) schon um fünf Uhr morgens. Draußen war es noch stockdunkel. So richtig wach war eigentlich noch niemand, aber die Neugier war größer als die Müdigkeit. Während die anderen sich noch einmal in ihre Betten kuschelten, machten wir uns mit den Kindern auf den Weg zum Hochsitz, nur etwa 200 Meter vom Jagdhof entfernt.

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Der Hochsitz im Morgennebel, nur rund 200 Meter vom Jagdhof entfernt.

Irgendwie schafften wir es uns zu fünft auf der Sitzbank bequem zu machen – alle außer Gipsy. Er hatte keinen Platz mehr und legte sich unten ins Gras. Dann warteten wir einfach und es geschah eine ganze Weile nichts – Oder? Tatsächlich versuchten wir das Dunkel mit unseren Blicken zu durchdringen und lauschten angestrengt in die beginnende Morgendämmerung. Beim genauen Hinhören war die Stille erstaunlich laut: Jedes Rascheln und jedes Knacken war aufregend. Die Kinder waren mucksmäuschenstill und blickten abwechselnd durch das Fernglas, dass unser Freund mitgebracht hatte. Wir konnten sie nicht sehen, aber wir fühlten das erwachende Leben unzähliger Tiere um uns herum.

Die Schatten hoben sich, und die Umrisse der Landschaft wurden immer klarer sichtbar. Von dort oben blickt man weit über das Tal bis hinüber zum gegenüberliegenden Bergrücken. Die Landschaft öffnet sich zu einer weiten, von Grasflächen und einzelnen Baumgruppen geprägten Fläche zwischen den bewaldeten Höhenzügen. Ein bisschen fühlt man sich an eine afrikanische Savannenlandschaft erinnert – nur dass man hier mitten im Harz sitzt und hofft, zwischen den Bäumen einen der Hirsche zu entdecken, deren Rufe am Vorabend noch durch den Garten getragen hatten.

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Die weite Lichtung beim Hochsitz, die an eine afrikanische Savannenlandschaft erinnert.

Und dann sah mein Freund es zuerst durchs Fernglas: Ganz rechts unseres Blickfeldes bewegte sich etwas braunes, großes, zwischen den Bäumen. Und dann konnte man es auch ohne Fernglas deutlich sehen: Ein Hirsch zog durch das Tal. Langsam und majestätisch schritt er durch sein Revier, blieb zwischendurch stehen und bewegte sich dann wieder weiter. Wie gemalt zeigte er uns seine Welt.

Wir saßen still auf unserem Hochsitz und konnten unser Glück kaum fassen.

Kein Smartphone kann einen solchen Augenblick ersetzen. Natürlich kann man Tiere auf Bildern sehen oder in Dokumentationen beobachten. Aber hier spürten wir die kühle Morgenluft, hörten die Geräusche des beginnenden Morgens und erlebten tatsächlich einen der Hirsche, die wir in der Nacht zuvor so eindrücklich gehört hatten.

Manchmal stand er still, witterte und schien auf irgendetwas zu warten. Dann senkte er den Kopf, um ein wenig zu äsen. Langsam bewegte er sich weiter – niemand hat auf die Uhr gesehen, aber als er später langsam am anderen Ende des Tals verschwand stand die Sonne schon so hoch, dass wir auf dem Rückweg zum Carlshaus die Jacken ausziehen mussten.

Wir wissen nicht, ob sich die Kinder später an jeden einzelnen Wanderweg oder jede Mahlzeit der Herbstferien 2026 erinnern werden. Aber dieses Schauspiel werden sie nie vergessen.

Digital Detox, ganz ohne Zwang

Ob die Kinder mitgegangen wären, wenn es im Jagdhof Carlshaus Fernseher und Internet gäbe? Wer weiß das schon. Ich jedenfalls bin froh, dass es hier keinen Streit um Bildschirmzeit und Zockverbote gibt. Nicht weitersagen: Dass wir im Jagdhof tatsächlich eine WLAN-Station haben, die sogar ziemlich gut funktioniert, sie aber bei unserer Ankunft immer gleich ausschalten, ist unser kleines Geheimnis.

Aber egal, welche Serie, welcher Streak oder welcher Influencer gerade noch so wichtig war: einen Hirsch in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten war für die Kinder tausendmal spannender und ihr eigener Discovery Channel Moment, an den sie sich immer erinnern werden.

Erinnerungen, die bleiben

Unser Aufenthalt im Jagdhof Carlshaus während der Herbstferien war eine wunderbare Auszeit mit Familie, Freunden und Hunden. Wir haben sonnige Tage im Wald verbracht, sind ausgiebig gewandert, haben Steinpilze gefunden, gemeinsam gekocht und lange am großen Tisch gegessen.

Wir haben im Garten gegrillt und auf den Ottofelsen geschaut. Wir haben das Rufen der Hirsche gehört und mit den Kindern auf dem Hochsitz einen Hirsch beobachtet, der durch das Tal zog.

Doch es waren nicht nur diese besonderen Naturerlebnisse, die unseren Aufenthalt ausgemacht haben. Es war auch das Gefühl, einen ganzen Hof für unsere Gruppe zu haben: drei Häuser, genügend Raum für Gemeinschaft und Rückzug, eine gut ausgestattete Küche, den Garten und die Möglichkeit, die Tage ganz nach unserem eigenen Rhythmus zu gestalten.

Der historische Charakter des Ortes, die unmittelbare Waldlage und die Wege direkt vor der Tür machten den Aufenthalt zu etwas Eigenständigem. Wir mussten nicht ständig irgendwohin fahren, um etwas zu erleben. Wir mussten kein Programm zusammenstellen, damit die Kinder beschäftigt waren. Die Natur selbst bot genügend Anlässe, neugierig zu werden und gemeinsam unterwegs zu sein.

Und vielleicht war das der größte Luxus: für ein paar Tage weniger auf die Uhr und mehr auf die Umgebung zu schauen. Den Kindern beim Entdecken zuzusehen, gemeinsam zu kochen und abends still zu werden, wenn aus dem Wald die Hirsche röhrten.

Manchmal braucht es keine lange Liste an Sehenswürdigkeiten. Manchmal reichen ein sonniger Oktobertag, ein paar gefundene Steinpilze, ein gedeckter Tisch, ein Feuer im Garten und ein Hirsch, der plötzlich durch das Tal zieht.

Der Jagdhof Carlshaus ist ein Ort für Menschen, die nicht einfach nur gemeinsam übernachten möchten, sondern gemeinsam leben, draußen etwas erleben und Erinnerungen schaffen wollen. Ein ganzer Hof für die eigenen Menschen – mit Geschichte, Charakter und der Natur direkt vor der Tür.

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Stille im Wald rund um den Jagdhof Carlshaus – Erinnerungen, die bleiben.

Und genau deshalb werden uns diese Oktobertage noch lange in Erinnerung bleiben.

Häufige Fragen: Herbstferien im Jagdhof Carlshaus

Für wie viele Personen bietet der Jagdhof Carlshaus Platz?

In den drei Häusern des Jagdhofs – Carlshaus, Hexenhaus und Puppenhaus – finden elf Personen bequem Platz, verteilt auf eigene Zimmer und Rückzugsmöglichkeiten.

Sind Hunde im Jagdhof Carlshaus willkommen?

Ja. Hunde sind im Jagdhof Carlshaus herzlich willkommen, die Wanderwege direkt vor der Tür eignen sich hervorragend für gemeinsame Touren mit dem Vierbeiner.

Was kann man im Herbst rund um den Jagdhof Carlshaus unternehmen?

Im Herbst lassen sich rund um den Jagdhof Carlshaus Steinpilze und Fliegenpilze finden, man kann zur Steinernen Renne wandern, abends am Lagerfeuer sitzen und in der Dämmerung die röhrenden Rothirsche der Brunftzeit beobachten.

Wann ist die Brunftzeit der Rothirsche im Harz?

Die Brunftzeit der Rothirsche findet im Herbst statt. In dieser Zeit machen die männlichen Tiere mit lautem Röhren auf sich aufmerksam, um Rivalen auf Abstand zu halten und Hirschkühe anzulocken.

Gibt es WLAN im Jagdhof Carlshaus?

Es gibt eine WLAN-Station im Jagdhof, die bei Bedarf genutzt werden kann. Viele Gäste schalten sie beim Ankommen bewusst aus, um die Ferien als Digital Detox mitten in der Natur zu erleben.

Wie weit ist die Steinerne Renne vom Jagdhof Carlshaus entfernt?

Der Weg zum Gasthaus Steinerne Renne dauert von Jagdhof Carlshaus aus eine gute dreiviertel Stunde und führt vorbei an markanten Granitfelsen wie dem Gebohrten Stein.

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